Karfreitagspredigt aus 2.Kor.5,19-21
Unversöhnt zu leben hat viele
Facetten.
Das fängt in der
hasserfüllten Atmosphäre an, die zwischen Palästinensern und Israelis herrscht.
Es gibt die Road-Map – den
Versöhnungsplan der Europäer und unser Außenminister Fischer hat einen unglaublichen
Einsatzwillen gezeigt, dass diese „Straße der Versöhnung“ endlich begangen wird
von beiden Seiten.
Da gibt es die Unversöhnlichkeit in der
eigenen Familie, in der Nachbarschaft, die Vergiftung der Beziehung. Und
alle: keine Rechthaberei kann hier
helfen. Alles ist schon ausgereizt.
Jetzt hilft nur noch
Versöhnung.
Wie viele leben unversöhnt mit ihrem eigenen Lebensschicksal.
Da liegen die Versäumnisse,
die Enttäuschungen, die unerhörten Gebete, das Schuldigwerden auf der Seele und
führt nur zu weiterer Bitterkeit gegen sich selbst und oft auch gegen andere.
Mit einem Satz bricht die
Wunde auf und blutet.
Wie viele sagen es sich: ich kann mir das
alles selber nicht verzeihen.
Wie konnte ich nur? Und die
Wolke der Selbstvorwürfe hängt tief
und dunkel ins Leben. Hier würde nur noch Versöhnung helfen. Aussöhnung mit mir selber.
Und der Gipfel der Unversöhnlichkeit endet schließlich dort, wo ein Mensch das
Wunderbarste, das Herrlichste, das Größte nicht in Anspruch nimmt: die
Versöhnung, die Gott allen anbietet.
Er versöhnte die Welt mit sich selber!
Also auch die Welt des nahen Ostens!
Also auch die Welt der eigenen Familie und Nachbarschaft – wo das Gift raus
muss!
Er versöhnte uns auch mit unserem Lebensschicksal – und wir hadern weiter – und
je ältern man wird desto mehr wächst die Bitterkeit und die Wunden bluten noch
immer!
Ja, wir haben alle Karfreitag nötig
und die unerhörte Botschaft dieses Tages.
1. Die bezahlte Rechnung
Unversöhnlichkeit heißt: mit
offenen Rechnungen leben.
„Mit dem habe ich noch eine Rechnung
offen“.
Und dann rechnet man vor und
zurück.
Ständig.
Und keine der Rechnungen ist
bezahlt.
Man schiebt sie dahin und
dorthin.
Man schiebt sie dem zu und
dann bekommt man sie doch wieder selber zugeschoben.
Aber Rechnungen werden nicht aus der Welt geschafft,
wenn wir sie hin- und herschieben.
Du bist schuld, die sind schuld, du hast
damals...du hast damals nicht...
Die offenen Rechnungen säumen
unseren Weg.
Vielleicht hat mancher auch
noch mit dem lebendigen Gott eine Rechnung offen!
Da gibt es Erfahrungen, Schicksals-Schläge, Leid, das Schuldigwerden anderer,
das wir ihm nicht verzeihen können. Da gibt es die Untreue eines Menschen, die
er nicht verhindert hat und die mich tief verletzt hat!
Und was machen wir mit allen diesen offenen Rechnungen?
Heften wir sie ab? Und dann steht dieser dicke Ordner in unserem Leben und die
Rechnungen bleiben offen. Und wir können sie selber nicht bezahlen!
„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete
ihnen ihre Sünden nicht zu.“
Die beste Nachricht aller Zeiten, für alle offenen Rechnungen. Sie sind alle
bezahlt! Es ist längst abgerechnet! Du brauchst niemand etwas nachzurechnen, zu
brauchst nicht aufrechnen. Alles bezahlt!
„Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war,
und hat ihn weggetan und ans Kreuz geheftet.“
Die ganzen unbezahlten Rechnungen sind sinnlos geworden, haben ihre Gültigkeit
längst verloren. Sind das Papier nicht wert auf denen sie stehen. Alle
Rechnungen hängen am Kreuz und sind durch sein Blut gelöscht. Niemand kann sie
mehr lesen. Du bist versöhnt!
2. Die aufgerichtete Versöhnung
„...und hat unter uns
aufgerichtet, das Wort von der Versöhnung.“
Zunächst
wurde das Kreuz der Versöhnung aufgerichtet auf dem Hügel Golgatha.
Der
Film „Passion
Christi“ ist vollgepackt mit biblischer Wahrheit – auch wenn viele
die dargestellte Grausamkeit der Kreuzigung kritisieren.
Das Kreuz auf Golgatha war
die Grausamkeit der Menschen
in Konzentration.
Aber die Rückblenden des
Filmes sind auch wertvoll.
Vom
Berg der Versöhnung wird
zurückgeblendet zum
Berg
der Seligpreisungen.
Dort
wo Jesus schon einmal aufgerichtet hat, was in Gottes Herrschaft und seiner
Gemeinde gelten soll.
Selig
sind die Frieden stiften, Barmherzigkeit leben, in ihrer
geistlichen Armut sich an Gott wenden.
Und
auf dem Berg Golgatha geschieht das alles.
Vom Bergprediger selber.
·
Er ist der
Friedensstifter.
·
Er bringt die
Barmherzigkeit Gottes auf die Erde.
·
Er wird geistlich ganz
arm, so dass er ruft: mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?
Was auf dem Berg der
Seligpreisungen verkündigt worden ist, das wird auf dem Hügel Golgatha
eingelöst!
Gott hat seine Versöhnung selber aufgerichtet indem er Jesu Kreuz hat aufrichten lassen.
Damit ist die Versöhnung
aufgerichtet.
·
Für jeden, der das Wort
hört erfahrbar.
·
Für jeden, der es für
sich annimmt erlebbar.
Unsere Versöhnung, unser Friede hängt nicht
·
am seidenen Faden
unserer Gefühle.
·
an schnell vergessenen
Worten.
·
am Wohlwollen eines
Menschen.
Die Versöhnung hängt am Kreuz!
Sie ist dort so blutig und so
bleich zu sehen.
Gehen Sie mit
nach Golgatha!
Sehen Sie
die durchbohrten Hände und Füße, sehen Sie den zerfetzten Leib.
Schauen Sie auf
das aufgerichtete Kreuz!
Dort ist die Versöhnung
aufgerichtet. Und was aufgerichtet ist, das gilt!
3. Die einzige Bitte
„ So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ruft uns zu:
Bleibt nicht Gottes Feinde.
Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch
anbietet.
Lasset euch versöhnen mit Gott.“
Manchmal entsteht der
Eindruck, dass wir Christen das schlechte
Gewissen für die Leute darstellen.
Wer
uns begegnet, der begegnet seinem schlechten Gewissen, seinen Versäumnissen,
seinen Defiziten.
Und
es kann sein, dass wir mit unserem Verhalten zu denen, die nicht praktizierende
Christen sind, diesen Eindruck verstärken.
Wir sind die wandelnde Anklage für
manchen.
Und es ist doch klar – denen
weiche ich doch aus. Ich will mich doch nicht ständig an meine schwachen
Stellen erinnert wissen! Was für ein verzerrtes Bild der Christen und vom
Christ sein.
Dies wird heute noch einmal
klar gestellt. Der Spiegel wird geputzt.
Unsere Wesen und Auftrag ist komplett und total
anders.
Wir haben nur zu bitten.
Wir
haben nicht anzuklagen – die ach so böse Welt!
Wir
haben die Welt nicht zu bejammern!
Wir
haben eine Bitte vorzutragen. In der Hoffnung, dass sie gehört wird.
Keiner
Bitte muss man folgen. Aber man kann auf sie hören.
Und sie ist leicht zu merken,
was wir zu bitten haben:
Lasset euch versöhnen mit Gott!
Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch
anbietet!
Wir Christen …
·
haben keine
Forderungskataloge den Menschen zu überbringen.
·
haben keine Vorhaltungen
zu machen.
·
päppeln nicht die Moral
der Welt auf!
Wir haben nur das Allerbeste,
das Allerschönste, das Allergrößte anzubieten:
Versöhnung mit Gott!
Aussöhnung mit ihm.
Und damit in Folge die
Versöhnung in der Breite unseres Lebens.
Ob an diesem Karfreitag, in
unserer Gemeinde, ein einziger Mensch dieser Bitte des lebendigen Gottes
nachkommt und die Versöhnung, die bereit liegt, annimmt?
nehme alle deine
offenen Rechnungen
aus dem Ordner
deines Lebens
und gebe sie dem
der sie längst
an das Kreuz geheftet hat:
Jesus
nehme alle deine
offenen Wunden
und verstecke nichts
aus deinem Leben
halte sie dem hin
der sie längst
durch sein Leiden am Kreuz
geheilt hat:
Jesus
nehme alle deine
Vorurteile
und behalte nichts zurück
sie blockieren dein Leben
bringe sie mit
lass dich versöhnen am Kreuz
durch Jesus
Hermann Traub






