Gott - Vater

Gott steht in einem übertragenen Sinn generell für alles, was einem Menschen letzte Lebensorientierung ist. Das jeweils mit unterschiedlichen Bedeutungen gefüllte Wort Gott steht dann für miteinander konkurrierende Lebensorientierungen, unter denen die einzelnen Gottesvorstellungen ihren Platz suchen und ihre je spezifische Art des Gottesglaubens ausdrücken.

Und immer wieder versuchten Menschen, auf die eine oder andere Weise, die Existenz eines Gottes oder mehrerer Götter zu beweisen. Als der Apostel Paulus von Tarsus nach Athen kam und durch die Großstadt wanderte, fand er unter all den Götterbildern eines mit der Aufschrift "Dem unbekannten Gott (geweiht)" (Apostelgeschichte 17,23).

Die Griechen waren ein sehr religiöses Volk. Die Überlieferungen ihrer Vorfahren strotzten nur so von Göttergeschichten. Für nahezu jeden Lebensbereich gab es einen Gott oder eine Göttin. In diesem Zusammenhang ist der Gedenkstein für den "unbekannten Gott" besonders interessant. Hatten da einige eher praktisch denkende Leute das Problem auf ihre Weise gelöst? Etwa nach dem Motto: "Wir wissen zwar nicht, ob es einen oder mehrere Götter gibt und wenn ja, wie sie aussehen. Aber falls dort oben jemand existiert, dann soll er wenigstens nicht böse auf uns sein, weil wir ihn nicht verehrt haben." Wenn wir uns heute in unserer Welt umsehen, dann hat sich seit damals gar nicht so viel verändert. Die Unsicherheit ist geblieben.

Wir als Christliche Gemeinschaft sind uns nicht unsicher. Wir glauben an den Gott der Bibel. Häufig auch als Gott des Alten Testaments bezeichnet. Er trägt den Eigennamen JHWH (Aussprache Jahwe) - `Ich-bin-da´ oder "Ich bin der, der für Dich da ist, wann, wo und wie es auch sei!" (vgl. Ex 3,14).

Gott ist ein aktiver Gott.Der erste Satz der Bibel (Buch Genesis) lautet: "Und Gott schuf ..." Nur Gott ist Schöpfer. Warum das so ist und wie das sein kann, wird nicht beantwortet, die Frage kommt auch nicht auf. Am Anfang der Bibel steht der Anfang. Aber da war Gott schon da. Es gibt also keinen Anfang der Geschichte Gottes, sondern einen Anfang der Schöpfung. Wir sind also Vertreter des Kreationismus.

Gott ist der Herr der Zeit, der Herr der Geschichte, denn er setzte denAnfang, er begleitet mich durch die Zeit und er führt mich zum Ziel. Die Vorstellung von einer Heilszeit am Ende aller Zeiten gründet letztlich in der Erfahrung dieses "Jahwe": eines Gottes, der für die Menschen da ist, wann, wo und wie es auch sei. Wir nennen diese Heilszeit `Ewigkeit´ oder wie man gemeinhin sagt `Himmel´.

Wenn die Bibel von Gottes Liebe spricht, dann meint sie eben nicht nur eine abgeklärte intellektuelle Beziehung. Liebe ist für die Bibel immer etwas heißblütiges, ganzheitliches. Das ist wichtig zu wissen. Wir denken uns Gottes Liebe nämlich meist zu blass und zu nüchtern. Wenn wir davon sprechen, dass Gott wie ein Vater zu uns ist, dann klingt das manchmal etwas blutleer. Vielleicht sollte man sagen, dass Gott uns so sehr liebt - so sagt die Bibel - wie ein Vater sein kleines Kind lieben. Mit aller Intensität, allem Gefühl und all der Herzlichkeit, die solch eine Beziehung ausmacht. Deshalb spricht gerade das Alte Testament immer wieder davon, dass Gott den Menschen väterlich und - damit es ganz deutlich wird - mütterlich liebt. Gott ist keine Frau. Denn Jesus spricht über Gott von seinem Vater. Aber Gott als solch starke Liebe zu uns, wie eine Mutter zu ihrem Neugeborenen.

Das heißt umgekehrt, dass wir diesen Gott brauchen, wie kleine Kinder ihre Eltern.

Das ist wichtig. Denn wenn wir davon sprechen, Gottes Kinder zu sein, machen wir häufig den Fehler, uns als recht erwachsene Kinder zu fühlen: Kinder, die mittlerweile aus dem Haus sind, selbständig durchs Leben gehen und die Eltern eigentlich immer weniger benötigen. Wenn wir uns aber zu sehr als die erwachsenen Kinder eines alternden Gottes verstehen, gerät unser Gottesbild schnell in eine Schieflage.

Gott gegenüber gleichen wir aber vielmehr kleinen Kindern mit ihrem erwachenden Verstand. Wir wollen alles selbst können und alles alleine machen. Und Gott lässt es zu, so wie Eltern ihre kleinen Kinder auch die Treppe alleine hochgehen lassen. Aber er steht hinter uns, und er wacht sorgsam über uns. Und er stupst uns manchmal - manchmal auch etwas unsanft -, wenn wir zu nahe an den Abgrund geraten. Und manchmal haut er uns auch ganz kräftig auf die Finger: Dann nämlich, wenn wir wieder einmal partout "auf die heiße Herdplatte fassen" möchten.

Und ab und an muss dieser Gott auch in Liebe leidend zusehen, wenn er uns - ob unseres Starrsinnes nämlich - absolut nicht davon abbringen kann, trotzdem auf diese heiße Platte zu fassen.

Gott ist kein unnahbarer und unberührbarer Gott der schweigt. Er offenbart sich den Menschen. Die größte und deutlichste Offenbarung Gottes geschah bisher in seinem Sohn Jesus Christus.