Der Christ und die Gewalt
1.) An welchen Gott sollen wir als Christen glauben?
a) an den Gott
des AT
b) an den Gott
des NT
c) an den Gott,
der sich in AT und NT offenbart hat?
2.) Die Bibel
lehrt: Gottes Wille tun heißt, dem Bösen keinen Widerstand
zu leisten
Matth.5,5: selig sind die
unterdrückt sind – und auf Gewalt verzichten
Matth.5,39 „Ihr sollt dem
Bösen nicht widerstehen; sondern wenn dich jemand auf die eine
Wange schlägt, so halte ihm auch die
andere dar“ (= Verzicht auf Strafen).
Matth.7,1 Richtet nicht,
damit ihr nicht gerichtet werdet.
3.) Kann ein
Christ anhand dieser Stellen
a)
Soldat oder
Polizist sein? (das „Amt des Schwertes“ in Röm.13,4 kann ja auch
töten bedeuten). - Aber warum hat weder Johannes der Täufer (Luk.3,14) noch
Jesus selber noch Paulus diesen Beruf verurteilt?
b)
Verteidigungsminister
sein?
(Du sollst dem Bösen keinen Widerstand leisten! Mt.5,39) – Aber hat
nicht Gott selber Menschen in die Politik gerufen: wie David, Slomo …?
c)
Richter sein? (Er soll ja
nicht richten, Mt.7,1. Wenn er es dennoch tut, verfällt er selber dem
Gericht?) – aber ist es nicht gut, wenn Richter handeln in Verantwortung vor
Gott?
d)
Sich selber
verteidigen? (wenn z.B. ein Schüler in der Schule angegriffen wird – soll
er gemäß Mt.5,39 die andere Backe hinhalten) – aber ist das nicht sogar
ein Stück Provokation von Gewalt?
Wir
gehen noch weiter – bis ins Kuriosum hinein:
e)
Kinder
erziehen?
Ø Spr.13,24: „Wer an
seiner Rute spart, der liebt seine Kinder nicht“. Die Erziehung der Kinder
erfordert viel Güte und Liebe; aber wenn nötig auch Erziehungsmaßnahmen bis zur
körperlichen Bestrafung: 10,13; 19,18; 22,15. Besonbders hilfreich =
Spr.23,13-15
Ø Eph.6,4: Ihr Väter
reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht
sie in der Zucht und Ermahnung des
Herrn – das ist ein Aufruf zur Konsequenz in Verantwortung vor Gott. Dazu
ist es aber nötig, z.B. dem Bösen unter den Geschwistern Widerstand
entgegenzusetzen, zu bestrafen - damit die Gewalt nicht eskaliert wie zwischen
Absalom und Amnon (2.Sam.13,21). (1.Tim. 3,4)
f)
Gemeindeleiter
sein?
(denn in der Gemeindeleitung muss er gemäß 1.Kor.5,13 Recht sprechen) –
aber das geht doch alles so nicht! – Die Bibel ist ja voller Widersprüche!
4.) Wie antworte ich einem Menschen, der anhand dieser
Aussagen feststellt:
a)
Die
Christliche Lehre ist eine Utopie, d.h., sie will gar nicht gelebt
werden. Würde man die Worte Jesu konsequent leben, könnte man noch nicht einmal
in der Gemeindeleitung mitarbeiten (1.Kor.5,12)– absolut kurios!
b)
die Bibel
widerspricht sich doch ständig! Selbst im AT schon. Einerseits
gebietet Gott die Todesstrafe (1.Mose 9,6) – andererseits verbietet er zu töten
(2.Mose 20,13)
c)
der Gott des
AT ist blutrünstig (1.Mose 9,6)und der des NT ist barmherzig (Luk.6,36)
Lösung
bis ins Mittelalter: Die 10
Gebote gelten fürs Volk – die Bergrede nur für Mönche
Die
sogen. Lehre von den beiden Regimentern nach
Dr. Martin Luther
(Versuch einer Darstellung)
weltliches
Regiment
n
dient zur Erhaltung
der Welt
geistliches
Regiment
n
dienst zur Erlösung
der Welt
Beide „Reiche“
sind von Gott eingesetzt
Er ist der
Herr beider „Reiche“
Beide stehen
im Kampf gegen Satan (mit unterschiedlichen Mitteln)
· Reich Gottes
· Reich der Welt - Staat
· Es geht um das Amt
· Reich Christi
· geistliches Reich - Gemeinde
· Es geht um die Person
· Gott übt das Reich der Welt aus mittels all dessen,
was dem Fortbestand des irdischen Lebens dient: Obrigkeit, Regierung, Ehe und
Familie, Eigentum, Wirtschaft und Berufe. Gott nimmt es allerorts wahr - auch
unter den Gottlosen.
· Die Notwendigkeit für dieses Reich liegt in der
menschlichen Bosheit.
Dieses Regiment ist bestimmt von Recht
und Macht.
In ihm regiert die Vernunft
· Das Handeln im Amt ist ein Handeln für
andere:
· als Elternteil, (1.Sam.2,27-29;
Hebr.12,5-11)
· als Beauftragter einer Regierung in all den
verschiedenen Bereichen von Legislative, Judikative und Exekutive).
· Handeln im Amt bedeutet, dem Bösen aktiv widerstehen, es hindern und strafen; Recht, Macht
und Gewalt ihm gegenüber einzusetzen.
· Gott übt das Reich Christi aus durch das Evangelium
von der sündenvergebenden Gna-de. Er übt es nicht in der Welt als ganzem aus,
sondern innerhalb d. Gläubigen, der Gemeinde.
· In der Gemeinde
wirkt der Heilige Geist in den Gläubigen. Es fehlt jeder äußerliche Zwang.
Alles vollzieht sich in der Freiheit der Gnade (2.Kor.3,17; 1.Petr.2,16). Hier regiert die Liebe, ist Sünde
vergeben und Gewaltanwendung weder nötig noch möglich. Jesus Christus ist das Haupt der Gemeinde, dem sich alle willentlich
unterordnen und dem sie dienen (Kol.1,15-23). Wer sich allerdings von dieser
Herrschaft Jesu lossagt, muß ausgeschlossen werden (Vorrede z. Dt. Messe, Teil
3).
· Beim Handeln in eigener Sache, als Person, orientiert
sich der Christ kompromißlos an den Maßstäben der Bergpredigt, nötigenfalls
leidet er durch Verzicht auf Recht, Macht und Vergeltung. (1.Petr.3,9; Mt.
5,38-48; Gal.5,22; 1.Kor.6,4-8)
Hinweise zum rechten Verständnis:
1.) Die beiden „Reiche“ sind keine eigenständigen Blöcke, die
nichts miteinander zu tun haben. –
Durch Missinterpretation entstanden
u.a.
Ø
Fehlentwicklungen im 3.Reich;
Ø
auch die „Weltflucht“
in manchen frommen Kreisen bei Christen, die es eigentlich gut meinten.
2.) Die beiden Reiche dürfen nicht ineinander gemischt werden
(Theol. v. K.Barth: die schütteten das „Kind mit dem Bade aus“ - und lehnten
Luthers gute Erkenntnisse ab). Dieser Vermischung haben wir es mit zu
„verdanken“, dass in den letzten Jahrzehnten der eigentliche, wesensmäßige
Auftrag der Kirche vernachlässigt wurde (Menschen zum Glauben zu rufen / die
Botschaft vom Kreuz) zugunsten des politischen Engagements .
Aus Herzens- und Menschenveränderung
wurde vielerorts „Gesellschaftsveränderung“.
3.) Gerade in der Erziehung sind Modelle gescheitert, weil man im Erzieher
nicht mehr das „Handeln im Amt in Verantwortung vor Gott“ gesehen hat - und
über manche Bibelstellen nur verständnislos den Kopf geschüttelt hat (Spr.1,8;
13,24; 22,15(Menschenbild); 29,15).
4.) In beiden
Regimentern regiert nach Luther die Liebe!
5.) In beiden Regimentern findet der Christ
seine Platzanweisung, seinen Auftrag
und seine Verheißung.
H. Dauth, Dezember 2007






